Historische Siedlungsentwicklung
Georgenborn ist eine der jüngsten Siedlungen des Altkreises Untertaunus. 1694 beschloss Fürst Georg August Samuel von Nassau- Idstein durch Edikt die Gründung des Dorfes an dem im Wald gelegenen Born, in dessen Nähe sich die Grenzen von Kurmainz und Kurhessen trafen. Auf den gerodeten Feldern und Wiesen siedelten zunächst zwölf Flüchtlingsfamilien aus der Pfalz. Jeder Siedler erhielt 18 Morgen Eigentum, 84 Morgen blieben Gemeindebesitz, die Befreiung von Abgaben und die Verleihung von Märkerrechten begünstigte die Neusiedler. Dies führte zu Streitigkeiten mit den Nachbardörfern, besonders dem mainzischen Frauenstein, die der jungen Gemeinde erheblich schadeten.
Die Nachfolger des 1721 verstorbenen Fürsten beschlossen schließlich die Aufgabe des Dorfes und verschenkten den Grund. Nach neuen Verhandlungen wurden dann 1727 in einem Vergleich zwischen Nassau und Kurmainz die Grenzen zwischen Georgenborn und Frauenstein endgültig festgelegt und damit die Existenz des Dorfes gesichert. Unter Preußen gehörte Georgenborn zum Landkreis Wiesbaden, 1928 zum Stadtkreis Wiesbaden. Nach der Ausgemeindung kam es 1939 zu Schlangenbad.
Der Ort hatte vor dem Zweiten Weltkrieg unter 200 Einwohner; seither hat sich die Einwohnerzahl verzehnfacht. Damit ist Georgenborn heute einwohnerreichster Gemeindeteil von Schlangenbad. Seit etwa 1860 wurde der bis dahin unbedeutende Flecken als Standort für die Villen und Landhäuser der Stadtbewohner von Wiesbaden und Umgebung entdeckt. 1868 erwarb Constantin von Zacha, Rittmeister und Besitzer des bei Bromberg gelegenen Gutes Strelitz, von den Bauern Georgenborns Acker- und Waldland und errichtete 1869-72 ein Landhaus, dem er den Namen Hohenbuchau gab.
Bald zwangen ihn Schulden zur Auswanderung, der Besitz wurde an den (Ende des 19. Jahrhunderts geadelten) Gummifabrikanten Ferdinand Freiherr von Krauskopf aus St. Petersburg veräußert. Nach zeitweiliger Nutzung des Landhauses als Sommeraufenthalt ließ von Krauskopf an gleicher Stelle 1892-95 Schloss Hohenbuchau nach Plänen des Wiesbadener Architekten Schellenberg errichten. Internationale Künstler und Handwerker wirkten an der Ausstattung des überaus prunkvollen neubarocken Gebäudes mit.
In mehreren Abschnitten entstanden der Hauptbau sowie Nebengebäude wie Pförtnerhaus, Ökonomiegebäude, Elektrizitätswerk, Gewächshäuser, Pumpen- und Klärhaus, Schweizerhaus und die ausgedehnte Parkanlage mit kleinen Lustbauten. Ein weiterer Um- und Ausbau durch G. von Mayenburg aus Dresden 1911-12 vergrößerte nochmals das Schloss, das nun nun in den oberen Stockwerken über 36 Wohn- und Schlafzimmer mit acht Bädern verfügte. Durch den Verlust seines Vermögens in der russischen Revolution wurde Freiherr von Krauskopf nach dem Ersten Weltkrieg zum Verkauf des Besitzes gezwungen.
Hohenbuchau ging 1921 an den russischen Großkaufmann Simon Sioskin und nach dessen Tod 1923 an seine Ehefrau Katharina über. Im Zweiten Weltkrieg als Feindesgut beschlagnahmt, diente das Schloss zur Unterbringung von Reichsarbeitsdienst, Reichsbahnschule und Sicherheitsdienst.
Danach war es Zuflucht für Nonnen, Flüchtlinge und Heimatvertriebene, bis es 1962 von der Besitzerin an die Hamburger Baugesellschaft Bewobau veräußert wurde. Nach Versteigerung von Ausstattung und Mobiliar wurde es 1963 abgebrochen. Im Parkgelände entstand eine moderne Wohnsiedlung, für die zunächst der Architekt Richard Neutra einen Bebauungsplan geliefert hatte. Das Projekt wurde in abgeänderter Form verwirklicht, zur Ausführung kam eine aufgelockerte, nach Norden verdichtete Siedlung aus Ein- und Mehrfamilienbauten mit Flachdach.1
Von L. Klemel (Beschriftung der Rückseite der Postkarte mit Jahresangabe) - http://static1.akpool.de/images/cards/22/228036.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113342195